Noten schön schreiben

Versuch einer Anweisung, Noten lesbar zu schreiben, per Hand oder mit der Maschine.

Immer wieder kommen mir Noten aufs Pult, deren Schreiber meinen, computergeschriebene Noten seien lesbarer und sauberer als handgeschriebene. Es sei ein leichtes, mit beliebiger Software schnell Partituren und Stimmen zu erstellen. Leider befinden sich diese Produktionen oft auf dem Layout-Niveau von Suchanzeigen für WG-Zimmer und erschweren oft das Arbeiten oder Spielen. Schöne Noten sollte man -von spieltechnischen Schwierigkeiten abgesehen- vom Blatt lesen, sofort erfassen können. Für den Notendruck gibt es wie für den Schriftsatz althergebrachte, bewährte Regeln, Konventionen, welche die Lesbarkeit fördern sollen. Die Beherrschung dieser Regeln erforderte früher eine Lehrausbildung zum Notenstecher. Heute darf jeder Noten drucken. So sieht das dann auch aus.

Sehen sich Verlagsmitarbeiter eigentlich zurückgegebene Leihmaterialien mal an, um aus den Eintragungen der Orchestermusiker zu lernen?

Ich möchte hier einige der gröbsten Fehler aufzeigen:

  1. Falsche Spationierung
    Die Spationierung, also der Abstand zwischen den Noten, Pausen und Zeichen ist der wichtigste Faktor für die Lesbarkeit von Notentext. Es gibt heute keinen Grund mehr, am Notenpapier zu sparen. Zu eng und zu weit geschriebenen Noten strengen an. Abstände, die nicht oder nicht ausreichend dem Rhythmus entsprechen oder ihm sogar widersprechen sind eine Fehlerquelle ersten Ranges, nicht nur beim p.v.-Spiel.
  2. Schlechte Wendestellen
    Selbsterklärend. Seitenlang nix als Überschriften und Pausen, außer rechts unten, da sind die Noten. Besonders schön sind schlechte Wendestellen, die mehrfach, d.h. durch Wiederholungen gewendet werden müssen. Ist es wirklich so schwer, nachzusehen, ob die beiden Wiederholungsklammern auf einer Seite landen? Auch Pausen auf zwei Seiten zu verteilen ist eher unklug. Pausen gehören auf eine Seite. Es ist dann Geschmackssache, ob auf die neue oder die alte Seite.
  3. Schlechte/fehlende Taktzahlen und Probierziffern
    Selbsterklärend. Der Gipfel sind Taktzahlen am Ende des Taktes
  4. Schlechte Pausenbezeichnung, gern auch Aufteilungen von großen Pausenpassagen in 10er Häppchen , und sinnfreie oder fehlende Stichnoten: immer wieder ein Born unendlichen Ärgers: an benachbarten Pulten unterschiedliche Pausenzählung (auch durch unterschiedliche Stichnoten), was bei der Frage „Wosimmern?“ zu Irritationen führt. Erkennen Notenschreiber keine musikalischen Abschnitte, die man nicht zählen muß, sondern fühlt? Wenn eine Musik aus achttaktigen Phrasen besteht, was verleitet einen dann, die Pausen in 7 und 9 Takte aufzuteilen? Sowas begreife ich nicht.
  5. Notenhälse und Legatobögen in falscher Ausrichtung
  6. Fehlende Unterscheidung zwischen cresc. und Crescendo-Nadeln
    dicht gefolgt von recht frei positionierten Dynamikzeichen und Tempoanweisungen, welche im schlimmsten Falle noch die Notenhälse oder -Köpfe schneiden
  7. Legatobögen und Notenbalken quasi parallel zu den Notenlinien
    1. Horn: oft beobachtet: aus einer C-Partitur werden F-Stimmen extrahiert, da gammelt schon mal vorn an der Zeile ein Vorzeichen #, obwohl es dann immer aufgelöst ist. Grundsätzlich spielen Hornisten Noten lieber und in der Regel fehlerärmer vom Blatt, wenn keine Vorzeichen am Zeilenbeginn stehen, sondern vor der Note. Im Programm Sibelius zum Beispiel wählt man dafür in seiner Partitur das Instrument „Horn in F (no Keys)“ statt „Horn in F“
    2. Hornstimmen werden nach F umgeschrieben, möglichst noch mit 5 Kreuzen vorn an der Zeile und Bs vor der Note. Im Original war das dann beispielsweise in E, ohne Vorzeichen am Zeilenanfang und mit wenigen Vorzeichen vor der NoteInstrumentenspezifische Fehler

    Wird leider fortgesetzt werden müssen.

    In der NMZ fand sich der Hinweis auf ein Buch von Elaine Gould „Hals über Kopf. Das Handbuch des Notensatzes„. Empfehlenswert.

3 comments

  1. Zu Ziff.8-1:
    Naja, bis drei # und bis 3 Bs müßte eigentlich alles funktionieren, vorausgesetzt die Tonleitern und Dreiklänge „sitzen“ im Kopf (Schantl Schule !!). Bei der Grundausbildung fängt es an.
    Zu Ziff.8-2:
    Wenn die Leute transponieren könnte, wäre vieles auch einfacher. Bei E-Transposition läßt es meist aus. Außerdem tun sich bei Stücken in E die reinen B-Horn-Benutzer ziemlich schwer. Wenn man aufs F-Horn ausweicht, ist fast nur das 2.Ventil (E-Horn) einzusetzen.
    zu Ziff.4:
    Pausenzählen hält WACH, hält also die Konzentration ziemlich hoch. Es besteht aber die Gefahr, daß man einfach weiterzählt und den Einsatz „überzählt“ verpaßt. So geschehen schon in den besten Orchestern.
    zu Ziff.2:
    Man muß eben, um gute Wendestellen zu erreichen, entweder Schnittstellen gut anlegen oder einige Zeilen opfern, damit früher gewendet werden kann.

  2. Geschätzter Herr Prof. Pizka, Zu Ziff.8-1: Mir ging es vor allem um (meist modernere) Stücke, die augenscheinlich nicht in G-Dur stehen, wenn sie überhaupt in einer bestimmbaren Tonart stehen. Die sind durch diesen Anwendungsfehler dann mit einem # versehen, welches in 80% der Töne dann vor der Note wieder aufgelöst wird.
    Was reguläre Vorzeichen zur Festlegung einer Tonart betrifft, so kann man ja z.B. bei Bruckner seine Tonartenfestigkeit prüfen. Dünn wird es bei Vorzeichen plus Transpositionen, z.B. 3♭ vorn an der Zeile und dann in E, da läuft mein Prozessor recht schnell heiß…
    Zu Ziff.8-2: Inzwischen sind die meisten vernünftigen Verlage auf dem Wege, wieder davon auszugehen, daß ein Orchesterhornist transponieren kann. Letztens fiel mir die neue „kritische“ Offenbach-Gesamtausgabe negativ auf. Nach kurzer Rückfrage beim Verlag gab es statt der F-Stimme auch die originalen Noten in verschiedenen Transpositionen. Die waren dann vom Blatt spielbar.

    Stupides Pausenzählen führt zu solchen Fehlern. Mitdenken, die Struktur der Musik verfolgen hält wach und vermeidet solche Fehler weitestgehend. Mir ging es darum, daß oft soche Strukturen im Notentext nicht abgebildet werden, sondern der Blick darauf verhindert wird.

    Wendestellen: scheinbar ist entweder Papier oder Geist immer noch ein teures Gut in Verlagen.

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