Horn-Platten und Hornkonzerte

Ich bin ja durchaus immer offen für neues auf dem Plattenmarkt, insbesondere, wenn Musik für Horn im Spiel ist. Bei der LP „Front to Back“ von Wasnatch beschränkt sich der Hornanteil leider auf das gelungene Cover.

Gleichfalls ein schönes Cover ziert die neue CD von Sarah Willis: Horn Discoveries. Das Mainzer Horn kommt gut zur Geltung, von der Künstlerin sieht man leider nur die Hand:

Diese CD stellte Sarah Willis dieser Tage unter anderem im Deutschlandradio vor.

Teunis van der Zwart (Naturhorn), Isabelle Faust und Alexander Melnikov konnte ich letztens in Berlin im Konzert beim Musikfest Berlin unter anderem Brahms‘ Horntrio spielen hören. Wer dieses außergewöhnliche Konzert der Berliner Festspiele verpaßt hat, kann sich die Studioaufnahme davon anhören. Das Trio so auf dem Naturhorn gespielt zu hören ist schon etwas ganz besonderes. Die Berliner Festspiele bieten auf ihrer Webseite selbstverständlich die jeweiligen Programmhefte als pdf zum kostenlosen Download an. Das ist löblich, wenn auch mitunter inhaltlich schwache Formulierungen zu lesen waren. Zur Entwicklung des Ventilhorns schrieb Olaf Wilhelmer, Musikredakteur bei Deutschlandradio Kultur folgendes:

Der Zugewinn an ausführbaren Tönen und an intonatorischer Sicherheit ging jedoch mit einem Verlust an Farbenreichtum einher; insbesondere trat das differenzierte Spiel mit Naturtönen zugunsten der temperierten Stimmung zurück, womit das Horn in einer ihm wesensfremden Umgebung domestiziert wurde.

Das ist natürlich nicht richtig. Die Naturtöne, insbesondere die stark von der „temperierten“ Stimmung abweichenden sind nach wie vor der Tonvorrat des Ventilhornisten. „Temperiert“ ist die Stimmung nicht mehr und nicht weniger als auf dem Naturhorn, je nach Vermögen des Spielers. Der Farbenreichtum auf dem Ventilhorn hat eher zugenommen, weil man erst durch die Ventile letztlich in der Lage war, sämtliche Töne der chromatischen Skala offen oder auch gestopft zu spielen, was auf dem Naturhorn so nicht möglich ist. Sehr schön haben das z.B. die Hornisten des London Symphony Orchestra zelebriert, welche bei Mendelssohn die auf dem Naturhorn zu stopfenden Forte-Töne auf ihren Ventilhörnern hörbar stopften. Das LSO-Konzert hatte noch ein hornistisches Schmankerl zu bieten: Schumanns Konzertstück, zelebriert von Radovan Vlatkovic, Timothy Jones, Angela Barnes und Jonathan Lipton. Die Kollegen gaben Stefan Dohr quasi die Garderobenklinke in die Hand, der hatte am Nachmittag Rihms neues Hornkonzert zur deutschen Erstaufführung mit dem Mahler Chamber Orchestra gebracht, ein Werk, welches die Grenzen des Instruments erneut beträchtlich aufweitet. Beeindruckend, wie Dohr beispielsweise in der Kadenz durch sämtliche Register bis in die tiefsten Tiefen des Instruments wandelt.

Weiters war in Berlin ein sehr schönes Konzert der Münchener Philharmoniker zu erleben: Jörg Bröckner war nach dem 2. Hornkonzert von Richard Strauss noch nicht müde und saß auch noch  im „Heldenleben“ am Solohorn. Schön, daß daß dieses Konzert auch im Radio übertragen wurde und Eingang in mein schier unendliches Archiv fand.

Einem einzelnen Instrument einen Schwerpunkt in einem Festivalprogramm zu widmen ist eine schöne Idee, noch dazu, wenn es sich um das Horn handelt. Sogar eine Zooführung zum Thema „Tiere, die Hörner tragen“ war im Programm. Stefan Dohr im Interview: “ „Ich bin ganz froh mit meinem Doppelhorn„. Die Berliner Festspiele gehen am Montag mit Ligetis Hornkonzert zu Ende.

Plankton der Woche: