Musik im Internet legal anbieten

Bild mit freundlicher Genehmigung von Manfred Renner
(Bild mit freundlicher Genehmigung von Manfred Renner)

Zunächst: dies ist keine Rechtsberatung, sondern stellt meine Recherchen im Umgang mit dieser höchst interessanten Problematik dar.

Viele Musiker und Sänger haben eine Webseite, auf der sie sich Agenturen und Ihrem Publikum präsentieren wollen. Was liegt da näher, als die eigene Leistung mit Tonbeispielen oder Videofilmchen zu illustrieren. Das ist allerdings gar nicht so einfach, da zahlreiche rechtliche Fallstricke zu überwinden sind, wenn man Musik im Internet legal zum Anhören oder zum Download anbieten will.

Regel Nummer 1: Fragen kostet nichts! Und: ERST fragen!

Gleich um welche Art von Musik es sich handelt, zunächst müssen die beteiligten Musiker mit der Anfertigung und der Nutzung eines Mitschnitts einverstanden sein. Weiters sollte man beachten, daß jüngere Musik (deren Schöpfer noch keine 70 Jahre tot ist) mit Urheberrechten verbunden ist.

Regel Nummer 2: Ohne Geld keine Musik!

Zum Zwecke der Recherche habe ich mir am Beispiel eines kleinen Ausschnitts aus „Carmina Burana“ die Mühe gemacht, eine freundliche Anfrage an den Schott-Verlag zu stellen, ob ich 3 Minuten Tonbeispiel aus diesem Werk im Internet anbieten darf, zum Zwecke der Werbung für einen Sänger. Die freundliche Antwort lautete nach dem Ausfüllen einer A4-Seite Formular wie folgt:

Wir sind mit der von Ihnen beabsichtigten Nutzung des Ausschnitts (3 Minuten) des Werkes CARMINA BURANA als Tonbeispiel (Audiofile) einverstanden und erteilen hiermit unsere Zustimmung unter der Voraussetzung, dass das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung ordnungsgemäß über die GEMA lizenziert wird. Wir dürfen Sie daher bitten, die GEMA-Lizensierung vorzunehmen und uns anschließend eine Kopie der Vereinbarung mit der GEMA zu übersenden.

Es ist also nicht nur die Genehmigung des Verlags einzuholen, sondern auch eine Lizenz der GEMA für das Veröffentlichen von GEMA-pflichtigen Werken zu erwerben. Es ist in den meisten Fällen nicht davon auszugehen, daß Konzertveranstalter oder Theater Aufführungsrechte erwerben, die das Recht auf Veröffentlichungen von Mitschnitten im Internet enthalten. Das wird sich in Zukunft sicher ändern, Geschäftsmodelle wie die Liveübertragung der GEMAfreien „Meistersinger“ von den Bayreuther Festspiele im Internet gegen Entgelt von 49 € und die Präsentation von Videobeispielen zu Werbezwecken auf der Webseite der Staatsoper Stuttgart zeigen die Richtung an. Wenn ich die Hilfestellungen der GEMA-Webseite und deren Preislisten richtig interpretiert habe, so kann man für 100 € eine Jahreslizenz für GEMA-pflichtige Musiktiten erwerben:

Für die Vergütung von EUR 100,00 können Sie bis zu 5 Musikwerke des GEMA-Repertoires mit einer Spieldauer von maximal 5 Minuten je Werk für ein Jahr unabhängig von der tatsächlichen
Nutzungsdauer auf Ihrer Website einstellen.

Zu beachten ist hierbei, daß sich die GEMA vorstellt, daß es einen Unterschied gibt zwischen dem Abspielen und dem Herunterladen von Musik gibt, was wieder einen anderen Tarif nach sich ziehen würde. Da technische Vorkehrungen, um das downloaden von Musik zu verhindern immer zum Scheitern verurteilt sind, sind hier die juristischen Fallstricke besonders verheddert.

Regel Nummer 3: GEMAfreie und lizenzfreie Musik verwenden.

Dies beschränkt sich nicht auf die Werke von Komponisten, die mindestens 70 Jahre tot sind, im Beispiel Carl Orff also erst ab dem Jahr 2052, sondern auch auf Werke von Komponisten, die einzelne Kompositionen als GEMA-frei gekennzeichnet haben, um deren Verbreitung zu fördern.
Wer einen Mozart aufnimmt, muß also nur die beteiligten Künstler fragen, ob er die Aufnahme verwenden darf. An dieser Stelle ist noch die Meinung der GVL interessant, da sie die Leistungsschutzrechte der meisten Musiker in Deutschland vertritt.
Burkhard Sehm, Justitiar der GVL schrieb mir dazu:

Die Veröffentlichung von Mitschnitten im Internet bedarf der Zustimmung der ausübenden Künstler. Wurde diese nur für private Archivzwecke erteilt, wäre eine Zugänglichmachung im Internet unrechtmäßig. Die ausübenden Musiker hätten das Recht, die entsprechende Nutzung zu verbieten und ggf. Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Die GVL nimmt die Rechte für die Zugänglichmachung im Internet allerdings nicht wahr. Verbots- oder Schadensersatzansprüche müssen durch die ausübenden Musiker selbst geltend gemacht werden.

Gemeinfreie Musik: Es lohnt sich, z.B. in der Wikipedia nachzuschlagen, welche Komponisten vor mindestens 70 Jahren verstorben sind. Seit 2007 ist z.B. die Musik von Gershwin und Ravel gemeinfrei, 2010 könnte beispielsweise ein Walter-Kollo-Revival folgen.

Die GEMA-Gebühr jemanden anderes zahlen lassen: Wer (im Einverständnis mit allen teilnehmenden Musikern) ein Musik-Video auf Youtube veröffentlicht, und es dann in seine Webseite einbettet, ist auf der sicheren Seite. Die GEMA wird dann von Youtube übernommen. Videos können theoretisch auch aus einem oder mehreren Standbildern mit Musik bestehen…

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