Der Winter ist noch nicht vorbei…


Nachdem ich im Januar meinen festen Vorsatz, mehr Opern auch außerhalb des Orchestergrabens zu erleben mit dem Besuch von 2/3 Trittico Folge leistete, nutzte ich den Aufenthalt in Stuttgart, um der Oper Stuttgart zwei Besuche abzustatten:

DVD Götterdämmerung am 20.02.2005 in der Inszenierung von Peter Konwitschny (Genaue Personenführung, Typisierungen, die sich nicht auf das Kostüm beschränkten, auch scheinbare Nebenfiguren wie Gutrune (Gunilla Stephen-Kallin) wurden liebevoll ausgeführt. Der übliche Klamauk stört eigentlich nur den heiligsten Wagnerianer) . Diese Aufführung interessierte mich besonders wegen der angekündigten Luana De Vol (Brünnhilde) und Kurt Rydl (Hagen), zwei der besten Wagnersänger unserer Tage, welche beide leider nicht sangen. Immerhin mimte Rydl den Hagen, was ja an sich schon eine Augenweide ist. In der Rolle der Brünnhilde probierte sich ersatzweise Janice Baird, welche leider des öfteren von der Souffleuse und vom raschelnden Zauberfeuergebläse übertönt wurde.
Lothar Zagrosek am Pult enttäuschte besonders in der ersten Halbzeit. Wenn Einsätze nach Generalpausen ständig so unpräzise passieren, noch dazu kurz nach Wiederaufnahmeproben, dann stört das doch ungemein den Hörgenuß.

dicke EierGanz anders Fabio Luisi Nicola Luisotti mit Otello (24.02.2005): der Italiener hatte die Stuttgarter Musiker von Beginn an gepackt, als ob sie jeden Tag nur Verdi spielen würden.
Eigentlich müßte dieses Stück in ‚Jago‘ umbenannt werden: Marco Vratogna füllte die recht leere Bühne so überzeugend mit Boshaftigkeit, daß sogar Gabriel Sadé in der Titelrolle und Eva-Maria Westbroek (als hervorragende Desdemona) stellenweise verblassten. Otello war ja ohnehin schon recht weiß. Eine schöne Idee beim Credo: auf einer eingezogenen Glaswand spiegelte sich der erleuchtete Zuschauerraum und der Orchestergraben. und was macht dann ein Publidumm, wenn es sich im Spiegel sieht? Richtig, es winkt sich selber zu.
Bemerkenswert: Vratogna, wie er mit dem selben Machismo wie eben noch auf der Bühne nach der Vorstellung mit dicken Eiern aus dem Theater ins reale Leben schritt, er hat sich also im besten Sinne selbst spielen können.

SalomeIn Dresden: Die Premiere der Salome am 27.02.2005 hab ich nur im Fernseh gesehen, zählt also nicht richtig. Herausragend: Wolfgang Schmidt als Herodes.

Der Liederabend von Frau Flott am 28.02.2005 in der Dresdner Oper (vor erschreckend leeren Rängen) war ein Leckerbissen. So unverkrampft und unangestrengt bot Dame Felicity eine charmante gute Show, von Haydn bis Gerolstein. Höhepunkt für mich natürlich die Strausslieder.

Noch unverständlicher war die leere Septemberoper für mich am 04.03.2005, als Ariadne ihre Verstrickungen besang. Wahrscheinlich haben alle Interessenten längst die DVD.

Ein volles Haus ist auch für ein Museum wie die Septemberoper keine Selbstverständlichkeit mehr, dazu gehört auch eine gewappnete Besucherabwehr. Wenn ich aber lese: Die Sächsische Staatsoper Dresden hat sich kurzfristig entschieden, aufgrund der sehr großen Nachfrage zwei zusätzliche Aufführungen der Oper „Die Zauberflöte“ noch in dieser Spielzeit in das Angebot aufzunehmen. Dadurch reduziert sich die Anzahl der Vorstellungen von „Der gute Gott von Manhattan“., dann ist das genau der falsche Weg, um erfolgreiches Theater zu machen, und nicht nur kulinarische Häppchen anzubieten.

Hoffentlich finden zahlreiche Dresdner von selber zum nächsten Liederabend mit Soile Isokoski und Bo Skovhus am 26.05.2005. Hingehen!

Narr:„Der Winter ist noch nicht vorbei.“ (‚Lear‘ von Aribert Reimann)

One comment

  1. hallo Hans-Peter,

    hab seit langem mal wieder geschmökert und mich bestens amüsiert. das Reisehorn von Daniel Kunst ist der Hit!! Ich hab Tränen gelacht!

    Hast Du unsere Triestbilder noch parat, oder ist es realistisch, dss Du sie findest? Ich hätte doch das Krönchenbild gern noch mal, weiss nicht wo es bei mir abgeblieben ist.

    G.&K.
    Susanne

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