Mensch mit Migrationshintergrund

Florian Sebald
(Florian Sebald. Montage unter Verwendung eines Fotos und nach einer Idee von Christoph Gommel)

Aus einem Artikel der Newsgroup de.etc.sprache.deutsch:

Martin Gerdes: „Mensch mit Migrationshintergrund“ ist doch nichts als eine verklemmte Umschreibung für „Ausländer“; und bei all diesen verklemmten Umschreibungen geht es ja gerade nicht um Klarheit, sondern um Unklarheit.

Joern Abatz: Bezeichnungen wie „Ausländer“ oder gar „ausländische Mitbürger“ waren ja selbst schon verschämte Versuche, dem eigentlich Gemeinten auszuweichen: „Nichteinheimische“, „Nichtdeutsche“, „Zugereiste“, „Fremde“.
Ist es nicht seltsam: Worte, die benutzt werden, um vermeintlich schmutzigen Worten auszuweichen, werden mit der Zeit auch schmutzig. Meiner Meinung nach liegt es daran, daß sie als vermeintlich saubere Stellvertreter für vermeintlich schmutzige Worte benutzt werden.
In Wirklichkeit ist natürlich nicht das Wort schmutzig, sondern die Gedanken des Sprechers sind es. Sprecher mit schmutzigen Gedanken lieben es, sich nagelneue und blitzsaubere Worte anzuziehen. Sie glauben, daß die schmutzigen Gedanken dann weg sind, oder daß man sie zumindest nicht mehr sieht.
Wenn nun einer kommt, der ein kindliches Gemüt hat, und ihnen das saubere Wort wegzieht, reagieren sie peinlich berührt, als ob man jetzt die vollgemachte Windel sehen würde. Man merkt es immer sehr schön daran, wie schnell sie unsachlich werden, mit dem Finger auf Andere zeigen, oder ihnen Worte in den Mund legen.

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