Russisches Osterei

„Boris Godunow“ hat dicke Eier, zumindest in Josef Prudeks ansonsten recht sparsamer Inszenierung und Ausstattung im Theater der Stadt Görlitz, Europas Kulturhauptstadt der Herzen. Schön, mal einen zumindestens zahlenmäßig angemessenen Opernchor auf einer Stadttheaterbühne zu erleben. Ermöglicht durch eine sinnvolle Kooperation mit dem Theater Liberec, kann man sich ungefähr vorstellen, was das Wort Choroper bedeuten kann. Leider waren die deutsch/polnische Übertitelung zu Mussorgskis russisch gesungener Oper und das dünne Programmheft unbrauchbar, was bei dem recht fremden Sujet das Verständnis der Handlung nicht unbedingt förderte.
Durch die Zweisprachigkeit konnte man nur die Handlung in sehr groben Zügen ablesen, was bei den langen Monologen wenig aussagekräftig war. Die Handlungsangaben im Heft waren eher verwirrend und setzten ein umfassendes Wissen der russischen Geschichte um Boris Godunow und seine Nachfolger Zar Fjodor II. und Dimitri I., genannt der falsche Dimitri und die damit verbundene Entwicklung Rußlands und Polen-Litauens voraus. Die Verschiedenheit und der Konflikt zwischen der Russisch-orthodoxen Kirche Zar Boris‘ und der römisch-katholischen Kirche Dimitris I. wird quasi nicht dargestellt.

2 comments

  1. Achwas, natürlich ist der richtige Weg große Chor-Opern – sagen wir mal Gounods „Faust“ – mit einem kleinen – sagen wir mal 18 Kopf großen Chor – anzsetzen. Kooperationen müssen dabei unbedingt vermieden werden! Denn es könnte dann ja a) preiswerter werden b) man könnte sein Selbständigkeit verlieren c) die Qualität könnte gesteigert werden d) mehr Menschen könnten das sehen e) man könnte mehr Produktionen machen – und vor allem f) niemand würde den Größenwahnsinn des Chefdirigenten bemerken. Darum: es lebe Oper in Freiberg.

  2. Hallo „Jemand“,

    um ernst genommen zu werden, ist an dieser Stelle Ihr Realname gefragt.

    Der, der hier die Artikel schreibt.

Comments are closed.