Ewig hin, ihr Wonnetage!

Der Musikus Josef Rudolf Lewy (1802 - 1881)
Josef Rudolf Lewy (1802 – 1881), der Uraufführungshornist von Schuberts „Auf dem Strom“. Abbildungen einzelner Seiten des Autographs von“Auf dem Strom“ finden sich in einem Aufsatz von Rufus Hallmark im Buch „Schubert studies: problems of style and chronology“

Jana Büchner und Eckart Sellheim
Die Sopranistin Jana Büchner und Eckart Sellheim, mit denen ich den „Strom“ aufführen durfte. Von Sellheim und John Ericsson gibt es eine schöne Horn-CD „Canto„, von Ericsson einen Artikel unter anderem über die Frage, ob „Kammermusikus“ Lewy das Lied „Auf dem Strom“ auf dem von ihm seit 1826 in Gebrauch befindlichen Ventilhorn gespielt hat. (Er hat ganz sicher auf einem in E gestimmten Horn mit zwei Ventilen gespielt.)

Joseph Rodolphe (später eingedeutscht Josef Rudolf bzw. Joseph Rudolph) Lewy, am 2.April 1802 im französischen Nancy geboren, studierte wie sein älterer Bruder Eduard Constantin Lewy (1796-1846) am Konservatorium in Paris in der Hornklasse von Frederic Duvernoy.

Nach Anstellungen als Bratschist und Hornist in Basel und Stuttgart wechselte er 1826 als Hornist zu seinem Bruder in das kaiserliche Hofopernorchester in Wien, wo er Franz Schubert kennenlernte. Erstes Produkt dieser Bekanntschaft war der am 22. April 1827 uraufgeführte „Nachtgesang im Walde“, D. 913 für Männerquartett und Hornquartett unter Mitwirkung der Lewy-Brüder.

Seit etwa 1825 verwendeten die Brüder Lewy Ventilhörner, welche zunächst mit nur zwei Ventilen, gleichzeitig aber noch mit verschiedenen wechselbaren, vom Naturhorn bekannten Stimmbögen versehen waren. Die große Meisterschaft auf diesen brandneuen Instrumenten zeigt sich auch in Lewys Eigenkompositionen wie dem Grand Duo op.6 von 1828, mit dem die Brüder bei Konzerten „Ansehen durch ihr treffliches Zusammenspiel“ erwarben.

Diese neuen klanglichen und tonalen Möglichkeiten unter Vermeidung halb und ganz gestopfter Töne reizten Schubert derart, daß er für Joseph-Rudolph Lewy 1828 ein weiteres Werk unter Verwendung des Ventilhorns schuf, die Vertonung von Ludwig Rellstabs Gedicht „Auf dem Strom“ D. 943. Hier schöpft Schubert die neuen Möglichkeiten der zwei Ventile aus und führt die Hornmelodie bis in die tiefste Lage (fast) ohne Verwendung gestopfter Töne.
Diese große Liedkomposition für hohe Stimme, Horn und Klavier erfreute sich so großer Beliebtheit, daß sich in der Folgezeit mehrere Komponisten der reizvollen Triobesetzung annahmen und eigene Liedvertonungen komponierten, nicht zuletzt Joseph-Rudolph Lewy selbst mit zwei Liedern op. 7 „Das Körbchen“ und „Freundschaft oder Liebe“. Die beiden Lieder entstanden um 1830 und erschienen beim Verlag Diabelli in Wien. Neu herausgegeben wurde dieses Kleinod vom Verlag Robert Ostermeyer Musikedition.

Ludwig Rellstab (1799-1860): Auf dem Strom

Nimm die letzten Abschiedsküsse,
Und die wehenden, die Grüße,
Die ich noch ans Ufer sende,
Eh‘ dein Fuß sich scheidend wende!
Schon wird von des Stromes Wogen
Rasch der Nachen fortgezogen,
Doch den tränendunklen Blick
Zieht die Sehnsucht stets zurück!

Und so trägt mich denn die Welle
Fort mit unerflehter Schnelle.
Ach, schon ist die Flur verschwunden,
Wo ich selig Sie gefunden!
Ewig hin, ihr Wonnetage!
Hoffnungsleer verhallt die Klage
Um das schöne Heimatland,
Wo ich ihre Liebe fand.

Sieh, wie flieht der Strand vorüber,
Und wie drängt es mich hinüber,
Zieht mit unnennbaren Banden,
An der Hütte dort zu landen,
In der Laube dort zu weilen;
Doch des Stromes Wellen eilen
Weiter ohne Rast und Ruh,
Führen mich dem Weltmeer zu!

Ach, vor jener dunklen Wüste,
Fern von jeder heitern Küste,
Wo kein Eiland zu erschauen,
O, wie faßt mich zitternd Grauen!
Wehmutstränen sanft zu bringen,
Kann kein Lied vom Ufer dringen;
Nur der Sturm weht kalt daher
Durch das grau gehobne Meer!

Kann des Auges sehnend Schweifen
Keine Ufer mehr ergreifen,
Nun so schau‘ ich zu den Sternen
Auf in jenen heil’gen Fernen!
Ach, bei ihrem milden Scheine
Nannt‘ ich sie zuerst die Meine;
Dort vielleicht, o tröstend Glück!
Dort begegn‘ ich ihrem Blick.