Kategorie: Schmökern (Papier)

„Alles umsonst“ vs. „Unterhaltung im Ersten“


Walter Kempowski: „Alles umsonst„. Über das Scheitern der Festhaltenden auf der Flucht 1945 aus Ostpreußen. Lesenswertes Buch, auch wenn man nicht Gründungsmitglied eines Vertriebenenvereins ist und wenn man von TV-Events ala „Dresden“ oder „Die Flucht – jetzt auch als DVD“ eher abgestoßen wird. Der Gipfel des Kitschs war heute 23 Uhr die „Doku“ in der ARD, wo Frau Gräfin von Lehndorff, Herr von Kessel, Frau Baronin von Maltzan befragt wurden, wie schwer es fiel, davon zu reiten. Scheint in den Ostgebieten nur Adelige gegeben zu haben. Und die sind dann auch nicht zu blöde, als Statisten auf einem Ball die gute alte Zeit wieder aufleben zu lassen, denn man weiß, wie man sich auf so einem Fest unter seinesgleichen bewegt.
Ein aufgegebenes Schloß und verlassene Ländereien geben sicher mehr her als das Schicksal von stammbaumlosen Vertriebenen, über die kein Film gedreht wird. Lest Kempowski!
Kempowski 2007
Kempowski im Interview auf 3sat.

Letzte Zuckungen

Aus der Rubrik ‚Bücher, die ich zu Ende gelesen habe‘: Walter Kempowski: Letzte Grüße. Der Roman schleppt sich wie der Ich-Erzähler durch seine US-Lesereise. Ostentative obstinate Verwendung ostinater Leitmotive reichte eben nur für ein obstipiertes Opus. Die vorhersehbare Schlußwendung rettet hier leider nichts. Es hat so gar nichts von altersbedingter Fingerübung. Schade. Lieber läse ich ‚Hamit‘, K.s Tagebuch von 1990. Besser noch: ich lasse es mir vorlesen! Am 08.05.2006 20 Uhr liest Kempowski in der Dresdner Hauptbibliothek aus ‚Hamit‘.

Schlauer Posaunist


Prof. Christhard Gössling, Soloposaunist des BPO, Rektor der HfM Hanns Eisler über Dirigenten:

Die meisten jungen Dirigenten haben Probleme mit der direkten visuellen Kontaktaufnahme. Sie müssen sich demjenigen zuwenden, von dem sie etwas wollen. (…) Viele kommen auch mit heroischen, vor dem Spiegel einstudierten Gesten, die nichts mit der Musik zu tun haben. Außerdem dirigieren sie oft auf den Schlag und nicht etwas voraus, so dass die Musiker darauf reagieren können. Es gibt viele Kleinigkeiten, die Musiker an Dirigenten ärgern.

Und über das BPO:

»In diesem Orchester habe ich erfahren, dass nur das ›Aufeinanderhören‹ aus vielen guten Musikern ein Weltklasseorchester macht und wirklich große Dirigenten genau daran arbeiten«